Das Eidelstedter Eisenbahnerviertel im Visier von Bauherren und Stadtplanern

Eigentlich bin ich ja gar kein ordentliches Mitglied im Stadtplanungsausschuss (StaPla) der Eimsbütteler Bezirksversammlung, aber man bat mich vertretungsweise um Teilnahme. Das macht Sinn, dachte ich, denn immerhin standen nur Eidelstedter Themen auf der Tagesordnung.

Unter Punkt 4 war dann zu lesen: “Eimsbütteler Wohnungsbauprogramm 2017, eine Beschlussempfehlung für die Bezirksversammlung.”
Dahinter standen benannte Flächen für Wohnungsbau, auf denen das Bezirksamt Potenzial für Neubauten sieht – kurz: “Wohnungsbaupotenzialflächen”. Besser ausgedrückt, hier kann sich das Bezirksamt Flächen vorstellen, auf denen neue Wohnungen entstehen könnten. Alles sehr unverbindlich und alles sehr vage, denn es handelt sich um Grundstücke, die im privaten Eigentum stehen. Die Eigentümer müssen also erst einmal wollen. Die Vonovia, die Eigentümerin des Eisenbahnerviertels ist, die will! Das haben ihre Vertreter im Bürgerbeteiligungsverfahren der STEG (Stadtentwicklungsgesellschaft) zum Fördergebiet Eidelstedt-Mitte mehrfach sehr deutlich gemacht.

Dort erfuhren die Eidelstedter*innen erstmals von der Idee einer sogenannten “Nachverdichtung” im Eisenbahnerviertel. Ich selbst sogar erst danach und war – vorsichtig gesagt – entsetzt. Nachverdichtung in diesem Wohngebiet? Sind wir jetzt etwa da angekommen, dass wir Hochhäuser zwischen bestehende Hochhäuser setzen wollen? Ich verstehe, dass Wohnraum in Hamburg knapp ist, sehr knapp und dass sich bei halbwegs günstigen Angeboten Schlangen von Interessenten vor den Objekten bilden. Und ich kann gut nachempfinden, wie sich Menschen fühlen, die dringend bezahlbaren Wohnraum suchen. Schon deshalb, da ich meine erste eigene Wohnung nach langem Suchen 1965 in einem Neubaublock am Friedrich-Ebert-Damm bezog und dafür 7111 DM “verlorenen Baukostenzuschuss” zahlen musste. Viel Geld damals, aber ohne Alternative.

Deshalb habe ich auch begrenzt Verständnis für die Bauprojekte in Eidelstedt aufgebracht, die gegenwärtig in der Plan- oder Bauphase sind. Hörgensweg mit 900 Wohnungseinheiten (WE), Duvenacker mit 105 WE, Eidelstedter Platz (Dello) mit 350 WE, Furtweg mit 100 WE und an der Lohkampstraße (Stoltenberg) mit 80 WE. Die vielen kleineren Bauprojekte nicht mitgerechnet, aber dass zusammen mit ca. 2000 WE für Eidelstedt gerechnet werden muss. Das ist jedenfalls die Plangröße, von der die Schulbehörde ausgeht, um ihre Kapazitäten richtig einschätzen zu können.

Wir kommen so spürbar an Grenzen, wo großflächiger Neubau noch möglich scheint. Hier und da, wo vorher ein Einfamilienhaus stand, stattdessen zwei oder vier WE, aber auf einem Schlag mal eben 250 bis 450 WE, das würde dann nur noch über “Nachverdichtungen”, wie z.B. im Eisenbahnerviertel funktionieren. Und dann ginge es auch nicht nur um dichtere Bebauungen oder Verschattungen, dann ginge es auch um Infrastruktur und soziales Gefüge. So wies beispielsweise der Kollege Lau von der CDU in der StaPla-Sitzung richtig auf die völlig aus den Fugen geratene Verkehrslage im Redingskamp hin, der immerhin die kompletten zusätzlichen Verkehrsmengen aufzunehmen hätte.

Ich sehe keine Wohnungsbaupotenziale in der Größenordnung von 250 – 450 WE auf dieser Fläche. Bestenfalls eine moderate Nachverdichtung auf bestehenden versiegelten Flächen (Garagen, Flachbauten etc.) und das Ganze dann nur in einem geordneten B-Plan-Verfahren, wo Einwände der Anwohner*innen ernst genommen und protokolliert werden.

Eidelstedt hat seine Solidarität mit den Wohnungssuchenden beispielhaft unter Beweis gestellt, niemand sollte diese Bereitschaft über Gebühr strapazieren. Deshalb habe ich darauf gedrungen, das Eisenbahnerviertel aus dem Katalog der Potenzialflächen zu streichen und nur eine moderate Nachverdichtungen im B-Plan-Verfahren zu erörtern.

Der Baudezernent jedenfalls erklärte, dass er kein Problem mit der Streichung habe. Mein Wunsch wäre, dass der StaPla im Januar diese Streichung übernimmt. Bis dahin werden “wir” das Viertel weiter wachsam durchstreifen.

Peter Schreiber

Mitglied der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Eimsbüttel
Parlamentarischer Geschäftsführer

Peter Schreiber mit Xabo

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