Wildkräuter in der Feldmark

Was man alles essen kann! Ein persönlicher Erlebnisbericht

Unsere Expeditionsgruppe auf der wilden Wiese in der
Eidelstedter Feldmark. Foto: Ursula Striepe

Gleich am Anfang, noch im Sola Bona Park hinter dem Treffpunkt „Blitzeiche“, fand unsere Gruppe am Wegesrand essbare Wildkräuter! Frau Katharina Henne, Biologin und Umweltpädagogin, die unseren Trupp anführte, wies uns auch auf die zarten, noch ungezieferfreien Blättchen einer Linde hin. Lindenblütentee kannte ich ja, aber die Blätter des Baumes …? „Die jungen, frisch ausgetriebenen Blätter haben eine fruchtig nussige Note und man isst sie am Besten frisch in Salaten.“, so lernten wir und probierten.

Junge, zarte Lindenbaumblätter – Foto: Ursula Striepe

Dann ging es weiter zu einem Rundgang durch die Eidelstedter Feldmark auf die große Wiese, auf der früher Rinder und Schafe grasten. Heute wohnen dort Maulwürfe, die den Untergrund ordentlich aufwühlen, und Fasane, die sich aus ihren Verstecken hervor trauten und neugierig unsere Gruppe beäugten. Marie Teske, die Mitglied der Initiative „pro Eidelstedter Feldmark“ ist, erläuterte kurz, wie wichtig der Erhalt dieser naturnahen Wiese im Landschaftsschutzgebiet Eidelstedter Feldmark für Hamburg und speziell für Eidelstedt ist.

Neugierig beäugte uns ein Ortsansässiger.
Foto: Ursula Striepe

Wir blieben stehen an Vogelmiere und Gewächsen, die ähnlich aussehen, an Nesseln verschiedener Arten, alle essbar, Löwenzahn und Giersch, der sich besonders gerne in unseren Gärten ausbreitet und dadurch höchst unbeliebt ist. Dass man ihn einfach aufessen kann, anstatt ihn auszurupfen, war jetzt nicht mehr so neu, aber was man mit ihm alles anfangen kann, schon. Es ging weiter mit Wiesenbärenklau, nicht zu verwechseln mit dem unerwünschten Riesenbärenklau, der bei Kontakt Hautentzündungen auslöst und giftig ist. Aber hier in der Feldmark lebt nur die harmlose Variante. Dann bekamen wir bunte Fähnchen in die Hand gedrückt und sollten selber Pflanzen suchen, die wir nicht kannten und von denen wir wissen wollten, ob sie giftig oder bestenfalls essbar sind.

Mit Fähnchen gekennzeichnete Pflanzen wurden von
Katharina Henne ausgiebig erklärt. Hier: Wegerich
Foto: Ursula Striepe
Wiesenbärenklau – Foto: Ursula Striepe
Biologin und Umweltpädagogin Katharina Henne
erklärt, woran man Giersch erkennt. Es wird im
Volksmund nicht umsonst “Dreiblatt” genannt
und hat auch einen dreieckigen Stiel.
Foto: Ursula Striepe

Endlich wurde auch meine Wunschpflanze besprochen, die Knoblauchsrauke. Sie breitet sich in diesem Frühjahr in meinem Garten in einem Beet unverschämt stark aus. Ich wollte sie schon heraus rupfen. Nun erfuhr ich, dass ihre Blätter nach Knoblauch schmecken, man nach ihrem Verzehr jedoch nicht nach Knoblauch riecht. Das hat doch was! Dass die Raupe des Aurorafalters, den ich bereits durch den Garten flattern sah, auf ihr gedeiht, war dann für mich der ausschlaggebende Grund, die Knoblauchsrauke stehen zu lassen und auch nicht aufzuessen!

Die Knoblauchsrauke, essbar und Kinderstube für den
Aurorafalter. Foto: Ursula Striepe

Beiläufig nahmen wir noch wahr wie vielfältig das Leben zumindest bei schönem Wetter in der Feldmark ist. Neben vielen Spaziergängern, Kindergeburtstagsgruppen, Junggesellenabschieden und unserer Expeditionsgruppe, sahen wir sogar eine große Schar Stare auf der Wiese auf und ab flattern. Und immer wieder kreisten Greifvögel am Himmel. Am Ende der Runde gab es eine kleine Verkostung von Kräuter-Köstlichkeiten, die Frau Henne liebevoll vorbereitet hatte und jeder bekam ein Blatt mit Rezepten. Ich werde auf jeden Fall einiges ausprobieren.

Es gab Gierschlimonade, wilden Linsensalat, Baguette
mit Löwenzahnsirup und Bärlauch-Mandelmus sowie
Brennnessel-Limetten-Muffins. Foto: Ursula Striepe
Ein Teller leckerer Kostproben! Foto: Ursula Striepe

Ansichtsexemplare kleiner Büchlein, die Katharina Henne mit einer Kollegin, Frau Lore Otto, zu verschiedenen Kräuter- und Pflanzenthemen heraus gebracht hat, lagen aus. Sie sind im Buchhandel schlecht zu beziehen, weil immer große Chargen bestellt werden müssen. Man kann sie aber direkt beim Verlag unter https://www.kjm-buchverlag.de/produkt-kategorie/kochbuecher/ bestellen.

Foto: Ursula Striepe

Alles in allem war es ein freundlicher, sinnesreicher Nachmittag, der bei mir immer noch nachwirkt. Ich gehe grad mit besonders offenen Augen spazieren und versuche die Gewächse am Straßenrand zu erkennen und einzuordnen. Und das ist doch eine schöne Ablenkung in Anbetracht der Weltsituation und macht das Spazierengehen richtig spannend.

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